Stadtpark in Český Krumlov - historische Entwicklung der Gartengestaltung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts

Die heutige Gestalt der Gartengestaltung der am linken Ufer liegenden Aue der Vltava im unmittelbaren Kontakt mit der historischen Besiedlung der Krumauer Altstadt auf dem Gebiet des Stadtparks ist Ergebnis einer jahrhundertelangen allmählichen Entwicklung. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts entstehen auf dem ursprünglich freien, landwirtschaftlich genutzten Raum das Areal des neuen städtischen Friedhofes an der Kapelle St. Martin und die Jesuitensommerresidenz. Der nach dem Jahre 1662 entstandene Jesuitengarten ist der erste Ziergarten auf dem Gebiet der Stadt Český Krumlov, der nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges neu gegründet wurde (der neue Hofgarten, d. h. der heutige Schlossgarten wurde erst seit dem Jahre 1678 gebaut).

, Foto: Josef Seidel

Genauere Kartenunterlagen, die ausführliche Informationen über die Gestalt und Gliederung des Jesuitengartens bringen, stammen erst vom Anfang des 19. Jahrhunderts (also schon nach der Aufhebung des Jesuitenordens). Trotzdem bieten sie im Prinzip identische Mitteilungen wie die älteren ikonografischen Quellen aus aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Garten, mit einem Abstand von etwa 10 bis 15 Meter vor dem Ostflügel der Residenz situiert, breitete sich auf dem Grundriss eines unregelmäßigen länglichen Rechtecks mit dem Ausmaß von ungefähr 65 x 45 Meter aus. Das belegt einerseits die Karte der Stabilkatasters aus den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts (1826), andererseits auch die jüngere Katastralkarte 1 : 1 000, die um das Jahr 1895 entstand. Der Abstand der eigentlichen Fläche des Gartens von der Gartenstrinseite der Residenz wurde durch die Existenz der Zufahrtskommunikation vom Norden (vom Raum der Linecký-Gasse) zum östlichen Eingang ins Gebäude gegeben. An diese wurde der Garten von Anfang an gebunden, wobei die Achse den Garten in zwei ungefähr symmetrische Teile teilte.

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In den Überlegungen über die innere Gliederung der Gartenfläche sind wir auf alte Veduten von Český Krumlov angewiesen. Die Schachbrettartige Gliederung der Gartenfläche deuten die Vedute aus dem Jahre 1819 und auch ein älteres Votivbild der Stadt Český Krumlov unter Schutz des hl. Franziskus Salesianer, das im Presbyterium der Krumauer Kirche St. Veit aufbewahrt wird, an.

Ausschnitt aus der Vedute der Stadt Č. Krumlov von A. Langweil, der den städtischen Friedhof bei St. Martin und den ehemaligen Jesuitengarten festhält, 1819, Staatliches Gebietsarchiv, Autor: A. Langweil Während wir über die kompositionelle Gliederung des Gartens in einzelne Teile mindestens lückenhaftige Informationen haben, wissen wir nicht viel von der Stilauffassung des Gartens. Die bisherige Erkenntnis der Gestalt der übrigen zeitgenössischen Krumauer Gärten führt zu der Ansicht, dass der Jesuitengarten am Ende des 17. Jahrhunderts noch ein manieristischer Garten war. Die Tatsache, dass der Garten offenbar bei seiner Gründung mit keiner Mauer umgeben war, deutet an, dass in der Komposition des Gartens die Architektur der Bauelemente (Mauern, Tore u. a.) keine Hauptrolle spielte. Der Garten wurde außer der ästhetischen Funktion wenigstens teilweise wirtschaftlich genutzt, er diente zum Obst- und Gemüseanbau. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahre 1773 und dem Umbau der ehemaligen Residenz zu Wohnzwecken gewinnt dieser Garten einen ausschließlichen Nutzcharakter.

Die Vedute der Stadt aus dem Jahre 1819 informiert uns über das Aussehen des östlichen Teils des Gartens. Trotz beträchtlich schematische Darbietung ist es ersichtlich, dass der Garten durch senkrechte Wege in quadratische Felder gegliedert wurde. Am Rande des Gartens sind Reihen von Sträuchern gezeichnet. Die grafische Auffassung der Füllung der quadratischen Felder (parallele Schraffierung) deutet an, dass der Garten zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen Nutzcharakter hatte.

Ausschnitt aus dem Regulationsplan der Stadt aus dem Jahre 1896, der einen Entwurf der Disposition einer nicht realisierten Parkgestaltung festhält, 1896, Staatliches Bezirksarchiv, Autor: A. Nenning Die Fotografie Josef Seidl stellt das Gebiet der 3. Krümmung der Vltava vom Abhang des Kreuzbergs im Jahre 1902 dar - ein paar Jahre vor der Gründung des Stadtparks. Die Situation des Gebietes entspricht der Katastralkarte aus dem Jahre 1895. Die nördliche Grenze des ehemaligen Jesuitengartens ist auf der Aufnahme mit einer Mauer abgegrenzt, andere Abschnitte der Mauern auf dem Umfang des Gartens sind nicht ersichtlich. Das Gebiet des St.-Martin-Friedhofes (im Jahre 1892 aufgehoben) ist bisher mit Mauern abgegrenzt. Auf dem Friedhof sind hochstämmige Bäume ersichtlich, die Gräber mit Grabplatten wurden bisher nicht beseitigt. Zwischen dem Jesuitengarten und dem Friedhof auf der einen Seite und dem Uferbestand entlang der Vltava gibt es einen zusammenhängenden Wiesenstreifen. Die Fotografie nimmt ebenfalls das städtische Schwimmbad auf.

Zwischen dem Schwimmbad und dem Friedhof befand sich ein Sportplatz.
Eine Änderung bringt erst die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Weitere Informationen:
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Stadtpark in Český Krumlov - Bauobjekte
Stadtpark in Český Krumlov - seine Gründung und weitere Entwicklung im 20. Jahrhundert