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Geschichte der Glasherstellung in der Region Český Krumlov

Hinterglasmalereien, Šumava (Böhmerwald), 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - Jungfrau Maria mit Jesuskind, foto:  Jos. Prokopec Aus der Geschichte der Glasherstellung auf dem Gebiet von Kaplice

Ein organischer Bestandteil des ehemaligen politischen Bezirks Kaplice (1850 - 1949) war der Gerichtsbezirk Nové Hrady. Schon früher bildete das Gebiet von Kaplice mit dem Gebiet von Nové Hrady den größeren Teil der Herrschaft von Nové Hrady, die im Besitz der Herkunft von Buquoy war.

Geographisch ist diese Region im Westen mit dem Fluß Malše begrenzt, im Osten mit dem kleinen Fluß Stropnice, im Norden mit dem Hügelland von Slepičí Hory und die südliche Seite ist vom Gebirgsmassiv Novohradské hory geschlossen. Die Naturverhältnisse haben hier eine Rohstoffbasis für die Entstehung und Entwicklung von Glashütten gebildet. Die Urwaldbestände gewährten ein Qualitätsbrennholz. Es waren hier Lager von Glassand und die Wasserflüsse boten eine energetische Ausnutzung. Durch die Kolonisation der überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung wurde hierher eine billige Arbeitskraft erworben. Dieses Herstellungspotential hat man zu Ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts zur Gründung von Glashütten benutzt.

Die erste Glashütte in dieser Region, von der die Berichte schon aus dem Jahre 1401 existieren, war in Klažary. Erst seit dem Jahre 1588 erinnert man an die Glashütte in Vilémova Hora (Wilhelmberg), die heutige Hojná Voda, die Wilhelm von Rosenberg gründete - nach ihm hat sie auch ihren Namen bekommen. Hier erzeugte man das Glas des venezianischen Stils, gemalt und vergoldet, bestimmt vor allem für das Rosenberger Haus, das jedoch den Ruhm auch im Ausland gefunden hat. Nach dem Untergang dieser Glashütte zu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs gründete im Jahre 1623 Marie Magdalena Buquoy Nová Huť auf dem Wilhelmberg, die bis zum Jahre 1677 im Betrieb war.

In den Jahren 1673 - 1674 gründete der Französe Louis le Vasseur d´Ossimont die Glashütte für die Erzeugung des Kristalls in Nové Hrady und führte sie bis zum Jahre 1689. Er stellte ein vollkommenes klares Hohlglas reichlich geformt her, aus dem man verschiedene Tischzierden in der Form von Tieren, Schiffen gemacht hat. Weiterhin das Opalglas, damals ein neues mattes weißes Knochenglas oder das Glas mit den eingeschmolzenen Stäbchen.

Hinterglasmalereien, Šumava (Böhmerwald), 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - Heiliges Abendmahl, foto:  Jos. Prokopec

Die reichen und nicht ausgenutzten Vorräte von Holz ließen eine ganze Reihe von Glashütten entstehen. Unweit von der untergegangenen Glashütte Nová Huť wurde schon die dritte Glasshütte, genannt Křišťálová Huť, aufgebaut. Diese Glashütte und auch die Glashütte Novohradská Huť sind im Jahre 1705 untergegangen.

In der Gemeinde Údolí bei Nové Hrady entstanden die Glasschleifereien und deren Erzeugnisse wurden bis nach Florenz ausgeführt. Sobald es sich erwiesen hat, daß die gegründeten Glashütten einträglich sind, wurden stufenweise die Glashütten in Lužnice (1677), in Pohoří na Šumavě (1693), auf dem Mühlenberg in der Nähe von Hojná Voda (1757) aufgebaut. Jan Buquoy hat Tereziina Huť (1764) aufgebaut, weiterhin die Glashütten Jiříkovo Údolí (1744), Janovy Hutě (1777), der spätere Gründer der Glashütte in Lenora Jan Mayer hat die Glashütten Pavlína bei Pohoří na Šumavě, auf dem Fuß des Berges Kamenec (1780), Stříbrné Hutě (1782) und Bonaventura (1794) gegründet. Als letzte entstand die Glashütte in Černé Údolí (1837 - 1838). Bei diesen Glashütten entstanden Arbeiterhäuser, aus denen später die ganzen Ortschaften herangewachsen sind. Das Herstellungsprogramm in diesen Glashütten war verschieden. In Pohoří na Šumavě hat man die Glastafeln für die Herstellung von großen Spiegeln und die Tafeln für die großen Fenster der Barockhäuser und Paläste hergestellt. Diese Tafeln haben die Spezialisten geblasen - sog. Tabuláři (Tafelnmacher), die hier schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts arbeiteten. Die Reste der Glastafeln wurden zu der eigenartigen speziellen Erzeugung - der Untermalerei auf dem Glas, die hauptsächlich häuslich betrieben wurde, verwendet. Die Technologie der Herstellung lag darin, daß man auf die Glastafel verschiedene Motive mit den Farben aufgetragen hat.

Unter das Glas hat man zuerst eine Schablone gelegt, nach welcher der Maler ausdrucksvolle schwarze Konturen aufgezeichnet hat. Die einzelnen Flächen hat man dann mit der Farbe ausgefüllt. Zum Schluß wurde die Malerei mit einer dunklen Unterlage überklebt oder mit einer silbernen Farbe bestrichen, das Glasbild wurde in ein Rähmchen eingesetzt und das Werk war fertig. Die eigentliche Methode der Bemalung war im Grunde genommen sehr einfach, sie lag in dem Kopieren von älteren Bildern oder den gedruckten Mustern. Die umgewendete Spiegelansicht (aus der Sicht des Beschauers) bewirkte, daß vor allem auf den älteren Malereien zum Beispiel eine seitenverkehrte Aufschrift auftaucht oder der Heilige in der anderen Hand die Attribute hält, als es gewöhnlich ist. Die Mehrheit der Bilder auf dem Glas hat verschiedene Heilige abgebildet (beliebt war der heilige Florian, der Brandschützer), oft hat man auch weitere Religionsmotive abgebildet, ausnahmweise auch weltliche Motive. Die in Pohoří gemalten Bilder sind durch die feurigen Farben der Gewänder charakteristisch und mit der Betonung der gelben Farbe rufen sie die Illusion des Goldes hervor. Die Leute kauften die Bilder auf den Wallfahrten, Jahrmärkten, von den Haushändlern und haben sie in ihren Stuben in die Ecke über dem Tisch, in der Mitte des 19.

Hinterglasmalereien, Šumava (Böhmerwald), 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts - St. Florian, foto:  Jos. Prokopec Jahrhunderts auch in zwei Reihen übereinander, gehängt. Die Bilder auf dem Glas begannen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Farbendruckbilder verdrängt zu werden.

In den Unternehmen, gegründet durch Jan Mayer (Pavlína, Stříbrné Hutě und Bonaventura), hat man zuerst modische klassizistische Gläser mit dem Diamantschliff hergestellt.

Die Glashütte in Černé Údolí stellte vor dem Jahre 1881 das Kristallglas und das gewöhnliche grüne Schleifglas und das Kreideschleifglas her. Das Tafelfensterglas und auch eine kleinere Menge Glas hat man in das Innere Böhmens und auch nach Österreich versandt. Die neue größere Glashütte, die später aufgebaut wurde, begann nach dem Jahre 1884 kostbarere Sorten vom Tafelglas, farbigen Glas und weißen Glas herzustellen und das antike Glas, das steinerne hyalitische Glas (das Glas besonderer Härte, besonderen Glanzes und lichtundurchlässig, das mehr an einen Edelstein als an ein Glas erinnerte). Seine dekorative Wirkung wurde noch durch die Vergoldung und das Schleifen erhöht. Neben dem ursprünglichen schwarzen Hyalit wurde hier auch das rote und das marmorierte Hyalit geschmolzen. Die Erzeugnisse wurden unter der Marke Schwarzthaler Glas nach Österreich, Ungarn, Deutschland, in die Schweiz, nach Rußland, Amerika und Indien ausgeführt. Die Bewertung bekamen sie auf den Ausstellungen in Paris im Jahre 1855, in České Budějovice im Jahre 1884, in Prag im Jahre 1891, in Chicago im Jahre 1893.

Mit dem Schmelzen und mit der Veredelung des Hyalitglases beschäftigten sich auch die Glashütten in Jiříkovo Údolí und in Stříbrné Hutě. Dieses Glas, das im Zeitraum des Biedermeierstils herrschte, wurde im Jahre 1816 unter der Führung von Dr. Jiří František August Buquoy - einem Mathematiker, Chemiker, Philosophen und Ökonomen - in der Glashütte Jiříkovo Údolí erfunden. In Stříbrné Hutě wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Herstellung des Rubinglases erneuert, das bis zu den Hafenstädten der Nordsee und der Ostsee ausgeführt wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Dämmerung und der stufenweise Untergang der Glashütten eingetreten, der bis zu dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts dauerte. Die Hauptursache des Niedergangs war die Erschöpfung der Holzvorräte, die Nachmachung des Hyalitglases durch billigere Imitationen und durch die Konkurrenz von großen Glashütten.

Wie die Glashütten entstanden, so gingen sie auch unter. Chronologisch sind sie in dieser Reihenfolge untergegangen: als die erste die Glashütte in Lužnice (1715), nach ihr folgten Pohoří na Šumavě (1777), Mühlenberg (1789), Tereziina Huť (1798), Janovy Hutě (1838), Pavlína (1852), Stříbrné Hutě und Bonaventura bei Stříbrné Hutě (1881), Jiříkovo Údolí (1900), Černé Údolí (1930).

Aus diesen ausgebrannten Glashütten gingen die Hüttenmeister und die qualifizierten Arbeiter hinter dem Brot in die Glashütten im Böhmerwald und in Nordböhmen weg. So zum Beispiel Johann Lötz - der Glassäger und Schleifer aus einer Glashütte in der Herrschaft von Nové Hrady hat sich in den Jahren 1836 - 1837 die Glashütte in Anín bei Sušice gemietet und gründete hier eine Glasherkunft, die eine der bekanntesten und begehrtesten im Böhmerwald (Šumava) war.

(vh)