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Geschichte der Fotografie in der Stadt Český Krumlov

Die Fotografie - "Lichtbildnerei" - bezauberte vor mehr als hundert Jahren eine immer größere Zahl von Menschen. Aus großen Städten kamen die fotografischen Pioniere mit ihren Kameras aus Holz, mit Stativen sowie mit einer ganzen Reihe unentbehrlicher Requisiten in die Provinz, um auf Glasplatten die Motive festzuhalten, die bis jetzt nur den Zeichnern, Graphikern und Malern vorbehalten blieben.

In den 70er Jahren begann sich der Tourismus als eine Art und Weise, unbekannte Gegenden kennenzulernen, sowie die Freizeit der wohlhabenderen Schichten zu nutzen, zu verbreiten. Die Touristen brauchten Pflege und so begann man, etwas zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu unternehmen.

Mühle bei Český Krumlov, ein historisches Foto, foto:  J.Wolf

Außer Hotels, Wirtshäusern und Touristenhütten, den Touristen- und Bergführern, wirkte im Dienste der Touristik auch eine ganze Reihe von Autoren, Verlegern und Buchhändlern, die den immer größer werdenden Hunger nach gedruckten touristischen Führern, Landkarten, Plänen sowie auch nach den ersten Gegenständen zum Andenken, zu denen auch Bildpost-, Ansichtskarten gehörten, stillten.

Die ersten Ansichtskarten waren noch ein Werk der Graphiker, bald wurden sie jedoch zur Domäne der Fotografen. Ihr Interesse wich natürlich auch vor Český Krumlov nicht zurück. An der ersten Stelle stand der ursprünglich aus Wien stammende Fotograf Gottfried Zimmer, der in České Žleby bei Prachatice geboren wurde (1847). Mit seinem Namen und Unternehmen sind die zwei bekanntesten wirklichen Krumauer Fotografen verbunden, zwei Männer, die hier jahrelang lebten, arbeiteten und sich um die ausgezeichnete Dokumentation der Stadt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie auch in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts verdient machten. Beide haben bei Zimmer gearbeitet.

Horní Nr. 159, Kaplanhaus, im Hintergrund die Kirche St. Veit und die Einwohner der Stadt Český Krumlov, ein historisches Foto, foto:  J.Wolf

Der erste von ihnen, Josef Wolf (1864 in Český Krumlov geboren, 1938 in Český Krumlov gestorben) lernte im Zimmers Krumauer Atelier in den Jahren 1881 - 1884.

Josef Seidel, Fotoporträt Der zweite, Josef Seidel (1859 bei Děčín geboren, 1935 in Český Krumlov gestorben), kam in Zimmers Firma als fertiger Fotograf und wurde im Jahre 1888 ihr Geschäftsleiter. Im Jahre 1890 übernahm er die Firma und machte sie zu seinem eigenen Unternehmen.

Ein Jahr später kam Josef Wolf von einer Wanderschaft nach Český Krumlov zurück, erhielt hier die fotografische Lizenz und gründete ebenfalls seine eigene Firma. Das weitere Schicksal der beiden Josefs war dann in manchem ähnlich: beide heirateten kurz darauf und gründeten Familien. Beide füllten ihre Archive mit wertvollen Aufnahmen der Natur, Landschaft, Einöden, Gemeinden, Städtchen und Städte, Kirchen sowie deren Innenräume, altertümlichen Denkmäler, alltäglichen und festlichen Momenten im Leben der Krumauer Bürger und der Bewohner vom Böhmerwald. Beide erzogen ihre Nachfolger und beide verließen ihr geliebtes Schaffen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit einem Abstand von nicht ganz drei Jahren - Wolf als 74jähriger, Seidel nur um zwei Jahre älter.

Beide hatten ihre Spezialitäten. Wolf war u. a. der erste Fotograf in Österreich-Ungarn, der Fotos beim Aufnehmen eines Filmes anfertigte. Dies passierte beim Aufnehmen der Passionsspiele in Hořice, das im Jahre 1897 von der amerikanischen Gesellschaft des Charles Hurd vorgenommen wurde. Zwei Jahre davor knüpfte Wolf die Zusammenarbeit mit der französischen Gesellschaft von Pathé Freres in Paris an. Er war ein Fotograf, der sich auf das Festhalten von Momenten aus der Forellen- und Perlenmuschelzucht im Böhmerwald oder auf verschiedene bauliche Details der historischen Objekte spezialisierte.

Schloss und Stadt Český Krumlov, Ansicht von der Aussicht bei Vyšehrad, ein historisches Foto Ansicht der Stadt Český Krumlov vom Rabenfelsen, ein historisches Foto, foto:  J.Seidel

Seidel war wieder mit dem Böhmerwald und seinen Bewohnern direkt verbunden. Von seinen fotografischen Expeditionen aus bis jetzt schwer zugänglichen Stellen brachte er immer wieder neue unikate Aufnahmen. Er wurde sogar einer der Pioniere des Schisportes im Böhmerwald und seine winterlichen Ausflüge unternahm er mit einem Rucksack auf dem Rücken und ungeschickten Schiern an den Füßen. Er hatte keine, Angst fotografische Novitäten einzuführen - Panorama-Aufnahmen des Krumauer Platzes aus der Zeit um das Jahr 1905, der Alpenblick vom Berg Kleť oder Versuche mit Farbfotos belegen dies.

Die Ansichtskarten der Krumauer Fotografen, die im Laufe von 40 Jahren unter einer fruchtbaren Konkurrenz angefertigt, produziert und verkauft wurden, sind heute Bestandteil jeder solideren Sammlung. Sie befinden sich natürlich auch in den Fonds des Bezirksarchivs und im Sammelfond des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov.

Panoramafoto des Stadtplatzes in Český Krumlov, hist. Foto, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums Český Krumlov, Foto J. Seidel, 1905

Český Krumlov mit der Kirche St. Veit, hist. Foto, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums Český Krumlov, Foto J. Seidel, 1907 Das erste Farbfoto von Český Krumlov, hist. Foto, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums Český Krumlov, Foto Ing. K. Šmirous

(pj)