Geschichte der Fleischerzunft in der Stadt Český Krumlov
Zu den bedeutendsten und ertragreichsten Lebensmittelhandwerken in Český Krumlov zählte das Fleischergewerbe. Fleischer, die für die Versorgung der ganzen Stadt mit Fleisch sorgten, gehörten gewöhnlich zu angesehenen und wohlhabenden Bürgern. Die erste Erwähnung über das Fleischerhandwerk in Český Krumlov kommt aus dem Jahre 1347, als Peter I. von Rosenberg eine Urkunde herausgab, die den Verkauf von Fleisch in den Fleischbänken betraf, in denen die Fleischermeister ihre Waren angeboten haben (Geschichte der Fleischbänke in der Stadt Český Krumlov).
Die Fleischer vereinigten sich, so wie die Angehörigen anderer
Handwerke, in eine eigene Zunft, die ihre professionelle
Organisation darstellte, die sich nach den von der Obrigkeit
herausgegebenen oder gebilligten Verordnungen richtete. Zum
Beispiel im Jahre 1539 gab Jobst von Rosenberg für die Fleischer
ein Zunftprivileg heraus, das die Bedingungen zum Viehschlachten
regelte. Schlachten durfte man nur auf dem städtischen Schlachthof,
der "šlachtáta" genannt wurde
(Geschichte
des Schlachthofes in der Stadt Český Krumlov), und es wurde das
Viehschlachten in privaten Häusern oder in den Fleischbänken
verboten. Der Schlachthof wurde später Gegenstand eines Konfliktes
zwischen den Fleischern und dem Magistrat, denn der Raum, wo
geschlachtet wurde, voller Unordnung und intensiven Geruchs war,
der sich in die weite Umgebung verbreitete. Im Jahre 1883 kaufte
daher die Stadt den alten Schlachthof ab und ließ auf ihre Kosten
einen neuen Schlachthof samt Fleichschbänken erbauen.
Konkurrenzzwiste entstanden oft auch zwischen der Krumauer Fleischerzunft und den Handwerkern, die sich mit anderen Gewerben beschäftigten, wie zum Beispiel Schuster und Gerber, und die sich das Recht aneigneten, das Leder ähnlich wie die Fleischer zu verkaufen. Die Fleischerzunft löste sich, wie die anderen Zünfte, in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Veränderung der ökonomischen Bedingungen auf. Eines der Zeugen ihrer Vergangenheit ist z. B. das Wappen der Fleischerzunft, das bis heute die Fassade des Hauses Horní Nr. 153 schmückt, wo im 16. Jahrhundert einige Fleischer wohnten.
(zp)
Weitere Informationen:
Geschichte
der Zünfte und des Handwerks in der Stadt Český Krumlov

