KKK

Die Stadt Český Krumlov und ihre Einwohner im 17. und 18. Jahrhundert

Schule in Zlatá Koruna, Lehrmittel aus dem 18. Jahrhundert, Abbildung eines Festmahls Vom Zeitraum der Spätrenaissance und des Manierismus ging Český Krumlov in die Zeit des Barocks mit einer festgesetzten Haus- und Einwohnerzahl über. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges haben die Stadt fast nicht berührt, wovon auch die Tatsache zeugt, daß zum Unterschied von den 336 im Jahre 1600 bestehenden Bürgerhäusern insgesamt 351 im Jahre 1653 standen, vier davon standen leer.

Die ungefähre Einwohnerzahl in der Mitte des 17. Jahrhunderts könnte mit 2500 geschätzt werden. Krumauer Bürger waren in der absoluten Mehrheit Handwerker und Gewerbetreibende. Ihre Felder und Gärten in der Umgebung von Český Krumlov hatten eine Gesamtfläche von 225 ha.

Sehen wir uns die Handwerkerzahlen in etlichen Berufen an, wie sie von den schriftlichen Quellen des 17. Jahrhunderts erfaßt worden sind. Unter anderem waren dort damals 2 Schlosser, 2 Kupferschmiede, 9 Schmiede, 8 Zimmerleute, 2 Tischler, 2 Faßbinder, 8 Maurer, 13 Gerber, 4 Sattler, 16 Tuchmacher, 13 Weber, 6 Hutmacher, 12 Schneider, 7 Schuster, 7 Bäcker, 1 Lebkuchenbäcker, 13 Fleischer, 3 Schornsteinfeger und 2 Seiler. In Český Krumlov waren auch 7 Lebensmittel- und Weinhändler sowie 6 Krämer tätig.

Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts begann in Český Krumlov die Einteilung in 12 Viertel zu gelten. Diese Einteilung richtete sich nach der Eingliederung der Bürger in annähernd gleich große steuer- und gebührenbezogene Einheiten. Die damalige Stadtverwaltung bildete kleinere und übersichtlichere Stadtverwaltungseinheiten, was zweifelsohne den Anstieg der amtlichen Bürokratie widerspiegelte. Die Einteilung in die 12 Stadtviertel blieb auch im 18. Jahrhundert gültig.

Schule in Zlatá Koruna, Lehrmittel aus dem 18. Jahrhundert, Abbildung einer Bürgerküche

Das erste Stadtviertel schloß die Häuser am Stadtplatz in Český Krumlov ein und in der heutigen Šatlavská Gasse (Frohnfestgasse), zum zweiten Viertel gehörten die Häuser in den Gassen Masná, Horní und Kostelní (Fleischer-, Obere und Kirchengasse). Das dritte Stadtviertel schloß die Häuser in den Gassen Kájovská, Široká und Dlouhá (Gojauer, Breite und Lange Gasse) ein. Zum vierten Viertel gehörten die Häuser in den Gassen Radniční, Panská, Soukenická und Na louži (Rathaus-, Herren-, Tuchmachergasse und Auf der Lacken). Das fünfte Viertel bestand aus den Häusern in Parkán. Zum sechsten Viertel zählten die Häuser in Latrán an der schloßzugewandten Seite und in Zámecké schody (Schloßstiege). Zum siebenten Viertel zählten die Häuser in Latrán an der Vltava-Seite und in Nové Město (Neustadt). Das achte Viertel schloß die Häuser in den Straßen Rybářská und Linecká (Fischer- und Linzer Gasse), das neunte Viertel die Häuser im oberen Plešivec, das zehnte im unteren Plešivec, das elfte Viertel die Häuser in Horní brána (Obertor) und das zwölfte Viertel in der Budveiser Vorstadt (Budějovické předměstí).

Schule in Zlatá Koruna, Lehrmittel aus dem 18. Jahrhundert, Abbildung einer Schule An der Wende vom ersten zum zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts arbeiteten in Český Krumlov außer anderen Handwerkern auch 2 Schlosser, 6 Schmiede, 17 Zimmerleute, 4 Tischler, 4 Faßbinder, 11 Maurer, 10 Tuchmacher, 18 Weber, 4 Hutmacher, 7 Schneider, 13 Schuster, 10 Bäcker, 1 Lebkuchenbäcker, 13 Fleischer, 3 Schornsteinfeger, 3 Seiler sowie 2 Seifensieder.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden auf dem Gebiet von Český Krumlov mehrere neue Bauten. Der wichtigste davon ist zweifelsohne das ehemalige Jesuitenseminar, in dessen Räumlichkeiten heutzutage das Heimatmuseum untergebracht ist. Der Bau wurde im Zeitraum 1650 - 1652 an der Stelle von 6 niedergerissenen Bürgerhäusern in der Gasse Horní (Obere Gasse) fertiggestellt. Die Bauarbeiten der sich auf dem ehemaligen Friedhof im Areal des heutigen Stadtparks befindenden Barockkapelle St. Martin begannen im Jahre 1738.

Viele Häuser in Český Krumlov wurden in der obengenannten Zeit umgebaut oder adaptiert, wovon eine Reihe erhaltengebliebener Barockgiebel zeugt.

Weitere Informationen:
Geschichte der Zünfte und des Handwerks in der Stadt Český Krumlov

(ak)