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Der Fluß Vltava - historische Kommunikation in der Region Český Krumlov

Der Fluß Vltava (die Moldau) ist eine natürliche Achse der südlichen Hälfte Böhmens. Er entspringt im Böhmerwald unter dem Berg Černá hora und an der Grenze vom Bergland Trojmezenská und den Böhmisch-Mährischen Höhen wendet er sich nach Norden. Die Länge seines Flusses bis zu der Mündung in die Elbe bei Mělník ist 430,2 km. Bis zu Český Krumlov hat er die Fläche des Flußgebiets von 1338 km2, das ganze Flußgebiet von der Vltava hat die Fläche von 28 090 km2. In Vyšší Brod hat er den durchschnittlichen langjährigen Durchfluß von 13,6 m3, in Český Krumlov von 18,5 m3s-1, der höchste beobachtete Wasserstand auf dem Wasserstandsmesser in der Stadt war 432 cm, der niedrigste 61 cm. Es floß hier am meisten 210 m3s-1 (im Mai 1949) und umgekehrt am wenigsten 1,7 m3s-1 (im Dezember 1934). In Prag fließt durch die Vltava durchschnittlich 145 m3s-1 und bei der Mündung in die Elbe 150 m3s-1.

Der Fluss Vltava (Moldau), ein stiller Winkel mit einer Birke

Wie entstand der Name von der Vltava? Man leitet ihn aus dem germanischen Wilth-ahwa (wildes, heftiges Wasser) ab. Die gegenwärtige deutsche Bezeichnung Moldau wurde aus der tschechischen Sprache im 13. Jahrhundert übernommen (zuerst als Moltaua). Der Name des Flusses hat sich jedoch in der Vergangenheit verhältnismäßig oft geändert: Die Fuldaer Jahrbücher aus dem Jahre 872 führten den Namen Fuldaha an. Der Chronist Kosmas (1125) nennt sie Wlitawa, die Urkunde des Klosters von Břevnov (1260) Wltaua. Dann wechseln die Namen Wltawa, Whltawa und Wulta. Pavel Stránský ze Zhoře schreibt Hltawa. Der allgemein verwendete tschechische Name Wltawa datiert man ununterbrochen erst seit dem Jahre 1680.

Frymburk, Ansicht vom Fluss Vltava (Moldau), ein historisches Foto

Im Mittelalter war die wichtigste Tätigkeit auf dem Fluß die Schiffahrt. Bei der Kolonisation des Gebiets, des Baues von Städten und Burgen brauchte man das Holz, das man günstig auf dem Wasser flößte. Dieses Holz hat man auch aus den Moldauer Wäldern im Süden und im Südosten unseres Landgebiets abgefahren. Für das Floßschwimmen mußte man die angemessene Flößbarkeit des Flusses sichern, was manchmal große Probleme, sogar Zusammenstöße verursachte. Sehr wichtig war später auch der Wassertransport des Salzes.

..Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts hat man das Salz, zuerst in Fäßchen auf den Schiffen aus České Budějovice oder Týn nad Vltavou nach Prag befördert. Die leeren Schiffe, soweit sie für den Verkehr auf der niederen Moldau und der Elbe nicht benutzt wurden, mußte man mit den Pferdgespannen zurück abschleppen. Das war jedoch sehr schwierig und langsam, sodaß man den Floßverkehr des Salzes bevorzugte.

Das größte Hindernis des Floßschwimmens waren die Johanniswasserfluten vor Prag. Der anliegende Abschnitt des Flusses durchfloß die Herrschaft, die im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts in den Besitz von Strahovský Kloster in Prag gelangte. Sein damaliger Abt Kryšpín Fuk hat sich um deren wenigstens teilweise Flößbarkeit eingesetzt. Zu Beginn seiner Absicht ersuchte er den Prager Maler David Altmann von Eidenburg um die Ausfertigung der später bekannten Panoramazeichnung von der Vltava im Abschnitt von Prag bis zu den Johanniswasserfluten. Die Schritte des Abts Fuk haben wahrscheinlich den Kaiser Ferdinand III. zu der Ausgabe des Mandats bewegt, wo wir erfahren :

"Wir befehlen, unserem verarmeten Königreich Böhmen zu helfen, den Hauptlandfluß Vltava ausschließlich für die Schiffahrt zu akkomodieren, ohne Gnade die Wasserwehren und die Mühlen, die Bäume und die Felsen niederzureißen." (Ferdinand III., 1640)

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Im Jahre 1724 bereiste Professor Jan Ferdinand Schor den mittleren Fluß von der Vltava und legte die Entwürfe für seine Flößbarkeit vor. Er hat auch den Aufbau von zwei ersten Schwemmkammern auf dem Fluß entworfen. Die Priorität gaben der Schiffahrt die Verordnungen der Herrscher noch nach längeren Zeit.

"Unsere Gesetzgebung sieht die Schiffahrt und das Floßschwimmen als das wichtigste öffentliche Interesse. Sie läßt die Ausnutzung des Wassers zu, wenn es den Schwimmmzwecken nicht schadet." (Navigationspatent, 1772).

Aus dem Jahre 1777 stammt die wertvolle Eberts Landkarte von der Vltava, die auf 41 Blättern den Abschnitt zwischen Prag und České Budějovice darstellt. Den oberen Fluß von der Vltava betrafen die Vorhaben auf die Verbindung der Donau und der Vltava zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit der Untersuchung der realen Möglichkeiten dieses Baues wurde der bedeutende tschechische Techniker dieser Zeit Professor František Josef Gerstner beauftragt. Er hat die Kanalverbindung als möglich bezeichnet, aber als ganz unrentabel und schlug vor, als eine bessere Lösung die bekannte Pferdeeisenbahn České Budějovice - Linz aufzubauen.

Český Krumlov, der Fluss Vltava mit Flößen, ein historisches Foto, Josef Wolf

Die Entwürfe für die Kanalverbindung des Flußgebiets der Donau mit dem Flußgebiet der Vltava wurden ununterbrochen vorgelegt. Neben der Flößbarkeit sind später die Vorhaben auf die energetische Ausnutzung des Flusses Vltava aufgetaucht. Noch zuvor, im Jahre 1896, wurde im Königreich Böhmen die Kommission für die Kanalisierung der Flüsse Vltava und Elbe in Böhmen bestimmt. Die hat regelmäßige Jahresberichte über ihre Tätigkeit ausgegeben, aus denen zum Beispiel das Vorhaben hervorleuchtet, die Schwemmverbindung Donau - Vltava - Elbe aufzubauen. Man führt hier das Projekt von dem südböhmischen Unternehmer Vojtěch Lanna auf die Errichtung des Kanals von der Donau bis nach České Budějovice an, und den Vorschlag zur Kanalisierung (dem Aufbau der Kaskade von Talsperren und Wasserwehren) von České Budějovice bis nach Prag. Den Vorschlägen auf diese Kanalverbindung hat jedoch das Gesetz über die Wasserwege einen Schluß gemacht, das in Österreich-Ungarn im Jahre 1901 angenommen wurde, welches das Vorhaben aufgeschoben hat und den anderen, wichtigeren und mehr rentableren Wasserwegen in der Monarchie den Vorzug gegeben hat.

..In weiteren Zeiten hat man nichtsdestoweniger sogar den Aufbau des Kanals dem Fluß entlang, resp. dem Tal von der Vltava entlang geplant, der den schwer flößbaren Abschnitt zwischen České Budějovice und Štěchovice überwinden würde. Es wurden Projekte zum Aufbau von Stauwehren auf dem Fluß vorgelegt. Später rechneten die realen Projekte schon mit den Wasserkraftwerken. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts legte Ing. František Radouš den Entwurf zum Aufbau einer Talsperre mit der Schiffeisenbahn bei Štěchovice vor. Ein anderer bedeutender Fachmann, Ing. Josef Bartovský, hat einen Entwurf zum Aufbau von vier Stufen auf dem mittleren Fluß von der Vltava vorgelegt, aus denen später die Talsperren Vrané und Štěchovice realisiert wurden. Ausführlich wurden damals die Projekte der damaligen Direktion für den Aufbau von Wasserwegen in Prag beurteilt und nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik auch die Entwürfe zum Aufbau von der Talsperre Štěchovice mit den zusammenhängenden Entwürfen (Projekt der Direktion für den Aufbau von Wasserwegen, das Projekt von Ing. Kobza und das Projekt von Ing. Záruba-Pfeffermann).

Später, in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wurden die Stufen Slapy, Orlík, Kamýk, Lipno I und Lipno II (in Vyšší Brod) aufgebaut. In den achtziger Jahren wurden noch die kleineren Stufen beendet, Modřany bei Prag, Hněvkovice bei Týn nad Vltavou (hauptsächlich für die Versorgung des Atomkraftwerks Temelín mit Wasser) und unter ihnen liegendes Gebiet von Kořensko. Alle diese Werke hatten in der Regel nur den energetischen Zweck als den Wichtigsten, sie sind jedoch nicht einzweckig und haben eine große Bedeutung auch für den Schutz vor den Hochwassern, für die Erholung und für die Verbesserung der niedrigen Durchflüsse auf dem niederen Fluß von der Vltava, für die Wasserentnahmen und für die Schiffahrt. Die Schiffahrtseinrichtungen oberhalb Štěchovice wurden jedoch nicht mehr fertiggebaut.

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Es wurden auch die entworfenen Stufen auf dem oberen Fluß von der Vltava nicht aufgebaut - Dívčí Kámen, Rájov und Český Krumlov. Mit deren Aufbau, motiviert einmal durch die hydroenergetische Nutzung des Flusses rechnet man in heutiger Zeit nicht mehr.

Der Fluss Vltava (Moldau) beim Hochwasser in Český Krumlov im Jahre 1993

(ap)

Weitere Informationen:
Geschichte der Flößerei in der Region Český Krumlov
Wassersporttouristik auf dem Fluß Vltava