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Geschichte der Jagd und des Jagdwesens in der Region Český Krumlov

Schule in Zlatá Koruna, Lehrmittel aus dem 18. Jahrhundert, Abbildung einer Jagd Die Entwicklung der Jagd und des Jagdwesens in der Krumauer Region hing seit jeher mit der Waldwirtschaft zusammen, die in diesem Gebiet traditionell ein gutes Niveau hatte. In der Vergangenheit wirkte hier eine ganze Reihe von bedeutenden Förstern und Jägern - bekannt sind zum Beispiel die Namen John, Matz, Rosenauer, Schönauer, Heske, Duschek und weitere.

Ursprünglich bedeckten das Krumauer Gebiet ausgedehnte Urwälder mit einer Menge verschiedener Tierarten. Die prähistorische Geschichte der Jagd belegen in der Krumauer Region die archäologischen Funde in der Höhle von Dobrkovice, wo Knochen prähistorischer Tiere gefunden wurden - Hyäne, Wolf, Fuchs, Bär, Mammut, Pferd, Wisent, Hirsch, Elch, aber auch Katze, Dachs und Hase. Die damalige Jagd, die zur Sicherung der Ernährung notwendig war, hatte jedoch noch nichts Gemeinsames mit dem späteren Jagdwesen. Seine Entwicklung geht in das Mittelalter zurück.

Der erste schriftliche Beleg über das Jagdwesen in der Krumauer Region war das Verbot des Abschusses von kleinem Wild, das am Ende des 15. Jahrhunderts Johann von Rosenberg für die Herrschaften Krumlov, Rožmberk sowie auch für die Herrschaft des Klosters Vyšší Brod herausgegeben hatte. Noch in der frühen Neuzeit, in den Eintragungen des Chronisten der letzten Rosenberger, Václav Březan, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wird jedoch das Jagdwesen mit der Jagdunterhaltung identifiziert. Seit dem frühen Mittelalter änderte der Wald seinen Charakter, erstens ging er zugunsten des Ackerbodens zurück, zweitens begann man ihn wirtschaftlich zu nutzen, und zwar nicht nur als Holzquelle für Bau- oder Brennmaterial, sondern auch zur Harzgewinnung, zur Produktion von Holzkohle, Pottasche und seit dem 15. Jahrhundert auch bei der Entwicklung der Glashütten. Die Waldnutzung war jedoch vorwiegend auf die Befriedigung des eigenen Bedarfes sowie des Bedarfes der Untertanen orientiert, zu denen zum Beispiel die Nutzung des Waldgrases, der Streu oder der Klötze gehörte.

Vogeljäger, Holzschnitt aus dem Jahre 1555 Hirschhetze, Holzschnitt aus dem Jahre 1555

Das 17. Jahrhundert brachte im Vergleich mit der Vergangenheit eine noch größere Beliebtheit der Hetzjagden - und gerade im Zusammenhang damit wird manchmal die Mitte dieses Jahrhunderts mit der Jagdmusik, dem Trophäenkult, den edlen Jagdfesten und großzügigen Jagden für bedeutende Persönlichkeiten als das goldene Zeitalter des Jagdwesens bezeichnet. In dieser Zeit hat auch die Verehrung der Patrone der Jäger des hl. Hubert und Eustach ihren Ursprung, die in Böhmen besonders Graf Sporck einführte, und zu deren Verehrung sich auch der südböhmische Adel meldete. Im 18. Jahrhundert wurde dann mit dem Beginn des modernen ökonomischen Denkens der Wald der Jagd übergeordnet. Damit hing das Interesse an der Senkung der hohen Menge des in den Wäldern und auch auf den Feldern Schäden anrichtenden Wildes zusammen, und so geriet die Wildzucht in den Hintergrund.

Die Ansicht der späteren Waldwirte läßt wissen, daß sich im Laufe der Jahrhunderte der Charakter der Wälder in der Krumauer Region bedeutend geändert hatte. "Obwohl die Herren von Rosenberg immer eifrige Verehrer der Jagd waren, und wenn sie nicht gerade von den in der damaligen Zeit stattfindenden zahlreichen Kriegen und Streitigkeiten beschäftigt wurden, griffen sie immer gerne nach Lanzen und Jagdhörnern, auch wenn die Ergebnisse der damaligen Hetzjagden in den unbegehbaren und ungastlichen Krumauer Wäldern nicht besonders glänzend waren, denn das rauhe Klima, die mächtige Schneedecke im Winter sowie der Mangel an Hege und Pflege des Wildes für die erfogreiche Entwicklung und die Vermehrung des Wildes ungünstig waren", heißt es in der Beschreibung des Großgutes Krumau aus dem Jahre 1898.

In der Zeit des 12. bis 15. Jahrhunderts lebte in dem Raum zwischen Český Krumlov und den Grenzbergen eine ganze Menge heute bereits ausgestorbener Raubvögel und Raubtiere. Darunter waren vor allem Adler, Falke, Braunbär, Wolf, Wildkatze und auch Luchs, der vor einigen Jahren im Böhmerwald (Šumava) künstlich wieder ausgesetzt wurde. Einen hohen Anteil hatte im Vergleich zu heute ursprünglich auch das Schwarzwild.

Bärenjagd mit Speeren, Grafik aus dem Jahre 1699

Die Archivschriftstücke überliefern uns viele Dokumente, die über die Waldwirtschaft in der Krumauer Region aussagen. Neben dem bereits erwähnten Verbot von Johann von Rosenberg ist es das Recht, "königliche Zahlungen zu beziehen und das Recht in den Klosterwäldern zu jagen, zu fangen und verschiedenes Wild totzuschlagen und den Wald zum Bauen und Verbrennen auf der Burg Krumau zu hauen", das Wok von Rosenberg im Jahre 1493 in Bezug auf die Ware von Zlatá Koruna erhalten hat. Erhalten blieben auch Berichte über das Recht, die kleinen Uhus aus den Nestern zu Jagdzwecken auf den steilen Hängen oberhalb der Vltava im Revier Bory in der Nähe von Křemže zu nehmen. Aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts haben sich Berichte über das Betreiben des Vogelfanges (Fangen der Singvögel auf Leimruten und auch in die Netze) in der Umgebung von Český Krumlov erhalten.

Schon aus dem Jahre 1528 stammt die Vereinbarung über das Hegen der Hasen, niedergeschrieben zwischen Johann von Rosenberg und den benachbarten Wladikas. Diese Vereinbarung ist ein Beweis für den Anfang der neuen Zusammenarbeit zwischen den Nachbarn bei der Pflege des Wildes. Ein europaweites Unikat ist dann das Register der eingezeichneten Marderstege für das Krumauer Gebiet aus dem Jahre 1553, in dem alle vermieteten Marderstege beschrieben sind (Marderfelle wurden traditionell hochgeschätzt und in den älteren Zeiten dienten sie sogar als Zahlungsmittel).

Weitere die Waldwirtschaft betreffende Berichte stammen aus der Zeit des vorletzten Rosenbergers Wilhelm, auf dessen Hof der Regent Jakub Krčín von Jelčany tätig war. Nach seinen Vorschriften sollten die Richter die Verletzung des Verbotes bezüglich des Fangens bestimmter Wildarten sofort nach Český Krumlov melden, ebenfalls wurden die Wilddiebe hart bestraft. In der Zeit der letzten Rosenberger wurden auch Obrigkeitsinstruktionen herausgegeben, welche die Pflichten, Aufgaben und Rechte des Jägerpersonals festlegten. Die Jagd war damals vor allem ein Privileg des Adels - wobei es interessant ist, daß auf dem Hofe des Peter Wok von Rosenberg an den Jagden auch Damen teilgenommen hatten, die mit Armbrüsten schossen. Zu beliebten Unterhaltungen gehörte damals auch das Schießen auf die Scheiben mit Armbrüsten und mit Flinten, manchmal handelte es sich auch um Wetten. Auf den Rosenberger Herrschaften organisierte man auch Hetzjagden auf Bären, und zwar besonders in den Wäldern bei Hluboká und Veselí. Für die wurden im Krumauer

Fangeisen für Bären Bärenzwinger die wildesten ursprünglich aus den Wäldern um Plešné jezero (Plöckensteinsee) im Böhmerwald (Šumava) stammenden Bären ausgesucht. Im Burggraben des Krumauer Schlosses werden die Bären seit dem Jahre 1558 bewahrt.

Für die ständige Verbesserung des beliebten Jagdvergnügens gründete Wilhelm von Rosenberg im Jahre 1555 bei Český Krumlov das erste Gehege. In diesem Tendlgarten, der sich von der nördlichen Schloßseite bis zur Gemeinde Dobrkovice ausbreitete, wurde hohes und Damwild gezüchtet. Der heutige Raum der Gärten und des Parks direkt unterhalb der Burg im sog. Hirschgraben (Jelení příkop) gab es damals einen großen Teich mit einer Insel in der Mitte. Im Hirschgarten (Jelení zahrada) lebten noch im Jahre 1784 insgesamt 106 Stück Damwild. ( Hirschgarten in der Stadt Český Krumlov). Das ganze Gehege wurde jedoch am 14. Juli 1848 durch Hochwasser vernichtet, und das ganze gezüchtete Wild ist ertrunken.

Peter Wok von Rosenberg gründete im Jahre 1598 bei Nový Dvůr Chvalšinský (Neuer Hof von Chvalšiny, jetzt Červený Dvůr - Roter Hof) einen neuen Garten für die Zucht der Fasane, Rebhühner und Wachteln. Im Jahre 1678 wurde hier dann ein Fasanengarten errichtet. Es wurden hier nicht nur Fasane gehalten, sondern auch fremdländische Vögel und verschiedene exotische Tiere, bengalischer Hirsch, "tripolitanische" Schafe, Steinbock und verschiedene Gänsearten. Der Fasanengarten war bis zum Jahre 1834 in Betrieb, als er wegen schlechter Ergebnisse aufgelöst wurde.

Interessante Nachrichten, die das Jagdwesen betreffen, stammen auch aus den Zeiten, als die Rosenberger von anderen Obrigkeiten abgelöst wurden. Im Jahre 1609, also nicht lange nach dem Verkauf der Krumauer Herrschaft an den Kaiser Rudolf II. von Habsburg, betonte zum Beispiel Herman Apfelbaum ausdrücklich, daß es in den Wäldern direkt bei Český Krumlov Gelegenheit zur Wolfsjagd gibt. Schon im Jahre 1603 wurde das Territorium der Krumauer Herrschaft in vierzehn Jagdreviere an der Spitze mit den Forstadjunkten aufgeteilt. In Český Krumlov siedelten der Waldmeister und der Waldschreiber, wobei die Instruktion für diesen Waldmeister für ihre Zeit sehr fortschrittlich war. Im Jahre 1656 wurde eine Verordnung herausgegeben, die nicht nur auf die Unterbindung des Holzdiebstahls orientiert war, sondern ihren Bestandteil bildeten auch Bestimmungen, die das Jagdwesen betrafen. Ein Bestandteil der Verordnung war auch die Pflicht, die Bevölkerung mittels Richter und Beeideter zu informieren, damit sich niemand auf die Unkenntnis der Verbote ausreden konnte. Den Belegen aus dem Jahre 1681 nach verwaltete die Wälder der Oberjägermeister für alle Eggenbergischen Herrschaften. In Český Krumlov unterstanden ihm der Oberjäger sowie der ihm zugeteilte Jägergehilfe, auf der Krumauer Herrschaft waren dann 11 Jäger und ein Jäger für die Wälder der Herrschaft Prachatice sowie auch weitere Jägerangestellte tätig, der Jäger für den Vogelfang mit einem Gehilfen, ein auf die Jagdplanen und -netze aufpassender

Jagdmotiv auf einer gemalten Bauerntruhe aus dem 19. Jahrhundert, Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov Mitarbeiter, zwei Gehilfen, denen noch ein weiterer Jägergehilfe zur Hand war, sorgten für die Jagdhunde. Die buchhalterischen Belege dokumentieren, daß den überwiegenden Teil der ganzen Waldwirtschaft noch das Jagdwesen gebildet hat. Noch am Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in der Krumauer Region üblicher Weise auch Bären gefangen, am Ende dieses Jahrhunderts dann noch immer Wölfe, Luchse, Wildkatzen, aber auch Adler (von diesen wurden innerhalb von 5 Jahren am Ende des 18. Jahrhunderts 68 Stück gefangen).

Während der Regierung der Schwarzenberger erfuhr das Jagdwesen in der Krumauer Region eine ganze Reihe von Änderungen zum Besseren. Johann Adolf zu Schwarzenberg gab schon im Jahre 1663 eine das Jagdwesen regelnde Instruktion heraus. Sie beinhaltete vor allem die Bestimmung, daß es nur denjenigen Förstern bewilligt ist, eine Flinte zu tragen, deren Aufgabe es ist, die Wölfe, Füchse, Marder, Fischotter sowie auch weiteres schädliches Wild auszurotten. Auch Adam Franz zu Schwarzenberg und seine Gemahlin Eleonora Amalie, geborene von Lobkovic, waren durch ihre Beziehung zum Jagdwesen bekannt und während ihrer Ära verzeichnete dieses Fach einen Aufschwung. (Die kaiserliche Jagd)

Aus dem Jahre 1722 stammt der Erlaß des Fürsten Adam Franz zu Schwarzenberg, in dem festgelegt wird, "daß die Schaffner das junge Hirschwild zu erziehen haben, wenn ihnen ein Jäger eins bringen sollte". Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts galt in der Krumauer Region auch die Instruktion, die verordnet hatte, neue Jägerstege, Lichtschläge oder nur Steige in den Wäldern zu errichten und die Heiden nach den Waldbrüchen richtig zu säubern - besonders in Blanský les (Blansker Wald). Gleichzeitig wurden aber auch Überlegungen über die Regulierung der Mengen des gefangenen Wildes aktuell. Seit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren nämlich Beschwerden bezüglich eines schnellen Schwundes einiger Arten zu hören. Zum Beispiel über das Hirschwild schrieb der Jägerverwalter der Krumauer Obrigkeit im Jahre 1719: "Ein Hindernis in der Zucht ist vor allem sein Stören und Mangel an geeigneten Standorten; das in den Wäldern weidende Vieh verscheucht das Wild und schnell verschwinden auch ausgedehnte Dickichte, die eine gesuchte Zuflucht des Wildes waren.

Für die Entwicklung des Jagdwesens in der Krumauer Region war die Einführung der Waldordnung von großer Bedeutung, die im Jahre 1715 der Fürst Adam Franz zu Schwarzenberg herausgab. Seit dieser Zeit datiert man das Vernichten der Schädlinge, es erhöht sich die gesamte Jagdpflege und es folgt ein schneller Anstieg der Bestände des Jagdwildes. Adam Franz war ein guter Jäger und auch Wirtschafter und oft überzeugte er sich persönlich von dem Zustand der Wälder sowie auch von dem Niveau der Forstwirtschaft und des Jagdwesens. Mit Begeisterung widmete sich auch seine Gattin Eleonora der Jagd, deren zahlreiche Jagdbeuten evidiert sind. Während ihrer Regierung sind die Bestände des Wildes deutlich gestiegen, es wurden Wolfszwinger angelegt, es wurden strenge Vorschriften zur sogenannten Erneuerung, anders ausgedrückt dem Feststellen der Spuren des Wildes auf frischem Schnee herausgegeben. Hart wurden auch die nachlässigen Jäger bestraft, die für das eventuelle Toben des Schadwildes verantwortlich waren, und streng wurde auch gegen Wilddiebe vorgegangen. Zur Zeit der Regierung von Adam Franz und Eleonora wurden an vielen Stellen des Blanský les "Hütten für Köder" errichtet, es waren Deckungen, die bei der Jagd mit "Lockspeise" (Köder; am häufigsten waren es eingegangene Pferde oder Schafe) verwendet wurden, es wurden aber auch Wiesen und kleine Felder für das Wild und sogar auch Brunftstellen für hohes Wild angelegt. Der Jagden wegen, deren gesellschaftliche Funktion oft die Jagdfunktion überhöhte, wurden in den Wäldern leitende Straßen und Jägerstege errichtet, konsequent achtete man auf die Säuberung aller "Jagdwälder" von allen Windbrüchen und Resten nach der Waldnutzung, damit ihre Durchgängigkeit verbessert wurde. Hohes Wild wurde auch mit Hilfe von Planen und Netzen in geschlossenen Wäldern gefangen; erst später wurden verschiedene Arten von Hochständen, die an den günstigsten Stellen errichtet wurden, genutzt. Der Fürst Adam Franz widmete eine besondere Aufmerksamkeit auch der Auerhahnbalz.

Bärenjäger Stanislav Jungwirth, ein historisches Foto Am Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer bedeutenden Reduktion der Bestände des Hochwildes. Es kam daher, da die Schäden, die dieses Wild in den Wäldern und auch auf den Feldern verursachte, große Ausmaße annahm, eine Rolle spielte auch die zunehmende Wilddieberei. Organisierte Gruppen von bayrischen Wilddieben waren nicht nur in den Grenzgebieten tätig, sondern sie kamen auch in die Wälder um den Berg Kleť. Der Krumauer Oberjäger Václav Feldegg entsandte sogar nach Bayern eine Sonderdelegation, die mit dem Passauer Bischof über die Einschränkung der Wilddieberei verhandeln sollte - und das Ergebnis war die Aushändigung der größten bekannten Wilddiebe an Böhmen und die Entsendung des Heeres zum Bewachen der beliebten Stellen für den Grenzübertritt. Im Jahre 1848 wurde dann im Revier Borová der letzte Hirsch gefangen - und erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam in den Blanský les wieder das Hirschwild aus den Revieren der Militärwälder in der Nachbarschaft. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde in der Krumauer Region auch das ganze Schwarzwild ausgeschossen. Interessant ist auch, daß noch im Jahre 1726 bei dem Tausch eines Teiles des Gemeindewaldes von Chvalšiny bei Hejdlov ein "Schlachthof zum Fangen der Wölfe" erbaut wurde. Seit dem erwähnten Jahr wurde auf der Krumauer Herrschaft eine sehr detaillierte Statistik über den Abschuß des Wildes geführt - und diese Evidenz setzte sich bis zur Verstaatlichung des Schwarzenbergischen Besitzes im Jahre 1945 fort. Angaben, die von mehreren Jägergenerationen angeschafft wurden, sind eine einzigartige Quelle zum Kennenlernen der vergangenen Wildbestände in der Krumauer Region. Die Begründer der Statistik unterteilten das Wild in Nutzwild - Haarwild (Hoch-, Dam-, Reh-, Schwarzwild, Hasen und Biber) und Federwild (Auerhähne, Birkhähne, Haselhühner, Fasane, Rebhühner, Wildgänse, Wildenten, Wasserhühner, große und kleine Schnepfen) und weiter in Schadwild - Haarwild (Bären, Wölfe, Luchse, Wildkatzen, Fischotter, Füchse, Marder, Iltisse, Wiesel, Eichhörnchen) und Federwild (Adler, Uhus, Kraniche, Reiher, Sperber, Krähen).

Bekannt sind die Angaben über das Schicksal der Bären auf der Krumauer Herrschaft. In den späteren Zeiten lebten sie hier sporadisch - vor allem in den "oberen" Revieren des Böhmerwaldes (Šumava). Der legendäre "letzte Bär des Böhmerwaldes" wurde im Jahre 1856 im damaligen Revier Želnava gefangen. Der letzte Wolf wurde auf der Krumauer Herrschaft im Jahre 1795, die letzten zwei Luchse im Jahre 1802 gefangen - großteils in den Revieren des Böhmerwaldes; nur die letzte Wildkatze wurde im Jahre 1836 auf dem Berg Kleť erschossen.

Nach dem Verschwinden der großen Raubtiere sowie nach der Einschränkung der Wilddieberei begannen sich schnell die Bestände des Rehwildes zu erhöhen. Nach dem Verschwinden der großen Raubvögel nahmen auch die Bestände der Auer- und Birkhähne zu - besonders nach den großen Waldbrüchen in den Jahren 1870 - 1875. Die beginnende ausgedehnte Entwässerung der Moorböden sowie die Bewaldung großer vom Waldbruch beschädigter Flächen und später auch von Teilen der Wiesenenklaven in den Wäldern führten jedoch folglich zu deren neuerlicher Abnahme.

Gesellschaftliche Änderungen, die das Jahr 1848 brachte, beeinflußten auch das Jagdwesen. Es wurden die Fronpflichten auch für das Jagdwesen aufgehoben - und die vom Wild verursachten Schäden hatten die Besitzer des Jagdrevieres zu ersetzen. Noch lange nach dem Jahre 1848 blieb jedoch das Jagdwesen das Vorrecht der Besitzer der Wälder und des Ackerbodens - trotzdem das einstige Vorrecht des Jagdwesens für die Mitglieder des Herrenstandes schon am 7. März 1849 durch das kaiserliche Patent aufgelöst wurde. Endgültig löste das adelige Vorrecht, das Jagdwesen zu betreiben, das Landesgesetz über das Jagdwesen aus dem Jahre 1866 auf, das die Grundlage für die Bildung neuer gesellschaftlicher Jagdreviere (Gemeindejagdreviere) bildete. In der Folge entstanden dann Streitigkeiten zwischen dem Adel und den Untertanen. Die Bauernjagdreviere wurden manchmal mit Verachtung angesehen - auch wenn es Tatsache ist, daß die neuen Jäger in ihnen das Wild wörtlich schlachteten und die Bauern die Jagd nur als Mittel zur Konfrontation mit der einstigen Obrigkeit betrieben.

Langsam begann auch in der Forstwirtschaft, ähnlich wie in der Landwirtschaft, das ökonomische Kriterium zu überwiegen - und somit wurde manches Wild als Schädling angesehen, dessen Bestände radikal zu senken sind. Die weitere Entwicklung des Jagdwesens war ausgeprägt mit der Bodenreform laut dem Konfiskationsgesetz aus dem Jahre 1919 verbunden. Zu einer ernsthaften Verletzung des Jagdwesens kam es nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren, da die neue Grenze oft die ursprünglichen Großgüter, Jagdreviere - und damit auch das Netz der Jägereinrichtungen trennte. Gleichzeitig wurden harte Maßnahmen gegen die normale Wirtschaft in den Jagdrevieren und auch gegen die Jäger selbst ergriffen.

Lustschlösschen Kratochvíle, Malerei - Falkenjäger Lustschlösschen Kratochvíle, Malerei - Falkenjäger

Die Entwicklung des Jagdwesens und der Forstwirtschaft hörte jedoch auch in der Gegenwart nicht auf. Jetzt gehören zu den diskutierten Problemen zum Beispiel die zu ergreifenden Maßnahmen im Zusammenhang mit der Verbreitung des Borkenkäfers auf dem Territorium des Nationalparks Šumava (Böhmerwald). Aus der nahen Vergangenheit sind Diskussionen über das Projekt Lynx bekannt, in dessen Rahmen im Böhmerwald in den Jahren 1982-1987 12 Luchse ausgesetzt wurden. Das Projekt ist derart gelungen, daß sich die Luchse ziemlich verbreiteten und jetzt kommen sie auch in Blanský les vor - und bis jetzt ist die Frage der Regulierung der Luchsbestände in den Gebieten, in denen man mit ihrem Vorkommen nicht gerechnet hatte, nicht endgültig gelöst. Auf eine ähnliche Art und Weise verbreitete sich in den fünfziger und sechziger Jahren das Hirschwild - und in der letzten Zeit mußte wegen der unerträglichen Waldschäden durch Abnagen, Abbeißen und Schälen auf eine wesentliche Reduktion der Bestände eingegangen werden. Dem entgegen werden zur Zeit Maßnahmen zur Erhöhung der Bestände des Rehwildes ergriffen, die deutlich gesunken sind, vor allem im Zusammenhang mit der Senkung der Zahl der Jagdreviere sowie auch mit dem Anstieg einiger besonders in der Landwirtschaft verwendeter Technologien (besonders Chemieanwendung). Ein ähnliches Schicksal wie das Rehwild haben auch die Hasen, die in den meisten Jagdrevieren schon davor nicht gefangen wurden, nachdem ihr Abschuß als Ausdruck der Solidarität mit den mährischen Jägern aus den durch die Überschwemmung betroffenen Gebieten eingestellt wurde.

Das Jagdwesen machte gemeinsam mit der Forstwirtschaft in der Krumauer Region eine interessante Entwicklung durch. Ähnlich wie in jeder menschlicher Tätigkeit kam es auch hier zu Fehlern und Irrtümern, die unsere Vorgänger langsam gut machten. Auch deswegen schwankten die Bestände des Wildes sowie auch der einzelnen Arten sehr. Die vorherigen Generationen ehrt jedoch ihre Hochachtung gegenüber der Natur sowie ihren Geschenken. Dies kann man aber in keinster Weise über die letzte Kriegszeit und die Zeit danach behaupten, als es nach dem Jahre 1945 zu einer ganzen Reihe Änderungen, oft zweifelhaften und unbedachten gekommen ist, wo nicht jeder Jäger an die alten Traditionen anschloß und wo nicht in allen Jagdrevieren nach den bewährten Jägergrundsätzen gewirtschaftet wurde. Trotzdem blieb die Natur in der Krumauer Region erhalten und stellt oft noch einen nicht gut genug geschätzten Reichtum dar. Nun hängt vieles auch von den Jägern selbst ab, ob sie den sich zur Zeit der Marktwirtschaft anbietenden Verlockungen widerstehen werden, sich dem Jagdwesen gegenüber mit Gefühl verhalten und es nicht nur aus der kommerziellen Sicht betrachten. Das Jagdwesen ist ein zielbewußter Umgang mit der Natur, der nicht nur Nachdenken und Gefühl, sondern auch viele fachkundige Kenntnisse erfordert.

(jn)