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Archäologische Untersuchung des Hauses Nr. 125 in Benešov nad Černou


Lage des Hauses Nr. 125 in Benešov nad Černou auf der Karte des Stabilkatasters aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Herbst 1998 führte die Gesellschaft Archeos eine archäologische Untersuchung im Hof des Hauses Nr. 125 in Benešov nad Černou durch. Es gelang das Interieur eines untergegangenen verlängerten Traktes des Hauses und einen Teil dessen nächsten wirtschaftlichen Hinterlands bloßzulegen. Die Untersuchung brachte neue Erkenntnisse über die älteste Besiedlung der Lokalität im 13. Jahrhundert und über die älteste Architektur einer Untertanenstadt des 14. Jahrhunderts in der Vorgebirgslandschaft der Region Český Krumlov. Es wurde eine Fläche von insgesamt 149 m2 untersucht.

Der Marktflecken Benešov nad Černou ist eine typische Lokationssiedlung des Hochmittelalters mit einem regelmäßigen Grundriss und einem Ausmaß von 6,19 ha. Er befindet sich auf einer abfallenden Anhöhe über dem Flüsschen Černá. Die Achse der mittelalterlichen Bebauung stellt ein 300 m langer straßenartiger Hauptplatz dar. Nördlich von der Straße Richtung Kaplice befindet sich ein Komplex von Häusern, die die Form eines Gehöfts haben und für den Rest eines befestigten Herrensitzes aus dem 14. Jahrhundert gehalten werden (Nr. 116). Diese Vermutung bestätigt auch der Straßenname "K zámečku" (Zum Schlösschen). Im östlichen Teil des Hauptplatzes befindet sich die Pfarrkirche St. Jakob des Größeren, wo auch der ursprüngliche städtische Friedhof zu finden war.

Bauentwicklung des Hauses Nr. 125. Die Anfänge des architektonisch außerordentlich erhaltenen Hauses fallen ins 14. Jahrhundert. Die Breite der Parzelle, Gliederung des Erdgeschosses und zwei selbstständige gotische Keller deuten an, dass hier zwei Baugrundstücke gemessen wurden, auf denen mit dem Bau zweier ursprünglich selbstständigen Häuser begonnen wurde. An diese Bauphase knüpfte ein weiterer bedeutender Umbau in der Zeit der Hochrenaissance an, der mit der im Portal gehauenen Jahreszahl 1579 datiert ist. Erhalten blieben davon das Maßhaus und Gratgewölbe in den anliegenden Räumen.

Haus Nr. 125 in Benešov nad Černou. Ansicht vom Hauptplatz, Foto: P. Hrubý

Steinernes Souterrain aus dem 14. - 15. Jahrhundert. In der komplizierten archäologischen Situation, die im Hof des Hauses bloßgelegt wurde, waren bei den bloßgelegten Relikten der Mauern zwei unterschiedliche Bautechniken sichtbar, was auf zwei Bauphasen zeigte. Für das älteste ist das steinerne Souterrainobjekt mit den Ausmaßen von etwa 5 x 5 m, mit einem abfallenden Eingangsraum und steinernen Treppen zu halten. Das Mauerwerk bestand aus kleinen, sorgfältig verblendeten Steinen, mit einem in den Untergrund eingelassenen Fundament. Das Interieur war mit einem hölzernen Fußboden aus Tannenbrettern und höchstwahrscheinlich auch mit primitiven hölzernen Möbeln ausgestattet. Auf dem Sanduntergrund zeigten sich nämlich mehrere kleinere Pfahlgruben, die meistens rechteckig oder halbkreisförmig waren und von der Innenausstattung des Objektes zeugen. Das Objekt war mit einer Tür auf einem einfachen Drehbolzen zu schließen. Es ging bei einem planmäßigen Umbau unter, der nach der Keramik in der Schüttung in die Mitte des 15. Jahrhunderts datiert ist.

Untergegangenes steinernes Souterrain aus dem 14. Jahrhundert, Detail des Eingangsraums mit Treppen, Foto: P. Hrubý Untergegangenes steinernes Souterrain aus dem 14. Jahrhundert mit Eingangsraum und Treppen, Foto: P. Hrubý

Backöfen im 15. und 16. Jahrhundert. Beim Umbau in der Zeit der Hochgotik kam es zur Verbindung beider Nachbarhäuser in ein Ganzes. In der Schüttungsschichten wurde nach und nach das Interieur bloßgelegt, in dem zwei Torsos von Zweikammerbacköfen erkannt wurden. Während der erste Ofen zu den geläufigen Typen gehört, was die Konstruktion betrifft, im Falle des zweiten Ofens fesselt die auffällig dünne Ziegelwand, die keine Wärme-Akkumulationsfunktion haben konnte, deshalb ist auf eine andere Backweise, bzw. auf eine andere Funktion des Ofens zu schließen. Im Feuerraum gab es kein Pflaster, in der Vorherdgrube wurde jedoch eine Aschenschicht entdeckt, die durch regelmäßiges Ausfegen des Brennstoffs vom Feuerraum vor dem Setzen entstand. Der Untergang des Interieurs mit den Öfen fällt in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts und höchstwahrscheinlich ist er mit dem Renaissanceumbau um das Jahr 1579 zu verbinden. Unter anderem ist er auch mit einer silbernen Kleinmünze des österreichischen Kaisers Maximilian II. datiert.

Plan des bloßgelegten verlängerten Hoftraktes des Hauses Nr. 125 in Benešov nad Černou. Nach der fotogrammetrischen Aufnahme A. Majers von P. Hrubý gezeichnet. Detail des Backofens Nr. 1., Foto: P. Hrubý

Renaissancezeit. Den Renaissanceumbau, bei dem das Interieur des hinteren Teils des Hauses mit den Öfen unterging, beweisen drei erhaltene Sohlen von Pfeilern, die an die Umfassungsmauer gebaut wurden. Die gleichen Bauelemente sind in der Durchfahrt und in weiteren Teilen des Erdgeschosses des Hauses zu sehen. Es scheint wahrscheinlich zu sein, dass ähnlich wie in diesen Fällen auch die Körper im untergegangenen Teil des Hauses die Funktion der Tragpfeiler für die Obergeschosskonstruktion erfüllten.

Untergegangenes Interieur mit Öfen aus dem 15. – 16. Jahrhundert, Foto: P. Hrubý

Hoftrakt des Hauses. Im Hoftrakt der untersuchten Parzelle gelang es die Fundamente einer steinernen Mauer zu erfassen, die an die Umfassungsmauern des verlängerten Haustraktes anknüpft. Die Mauer mit einer Breite von 70 cm lief bis in den hinteren Teil des Hofes, wo sie sich einem anderen Mauerwerk anschloss, wahrscheinlich den Fundamenten eines Wirtschaftsgebäudes, das in diesem Teil der Parzelle sicher noch im 18. Jahrhundert stand. Ein weiterer Fund war hier ein etwa 2 m tiefe Grube, die eine kleine Kollektion von Keramik aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts enthielt. Die Interpretation dieses Objektes ist schwierig, es könnte eine Abfall- oder Baugrube sein. Auf der ganzen Fläche befanden sich dann Siedlungsschichten, die Keramik aus dem 14. und 15. Jahrhundert enthielten.

(ph)

Weitere Informationen :
Archäologische Untersuchungen in der Region Český Krumlov