Die kleine Burg „Vítkův hrádek"
Lokalisierung:
Die kleine Burg "Vítkův hrádek" befindet sich an der Grenze von
Südböhmen und von Österreich, über dem untergegangenen Dorf Sv.
Tomáš (St. Thomas), in der westlichen Richtung von Frymburk. Die
Ruine ist auf einem bewaldeten Hügel situiert, auf der rechten
Seite von dem Fluß Vltava (Moldau).
Ursprung der Benennung:
Die ursprüngliche tschechische Benennung der Burg lautete "Vítkův
hrádek" (in deutsch Wittingshausen). Für die Bezeichnung der Burg
verwendete man auch die deutsche Benennung Wittigstein, übenommen
manchmal in die tschechische Sprache als "Vítkův Kámen". Man kann
auf die beiden Bezeichnungen von der selben Burg treffen. Die
Benennung der Burg belegt, daß ihr Gründer Vítek war, einer von den
Zugehörigen des mächtigen südböhmischen adeligen Herrscherhauses
der Witigonen.
Nach den zeitlichen Zusammenhängen ist höchstwahrscheinlich, daß
die Burg Witigo von Načeradec, sonst von Krumau, erwähnt in den
Jahren 1220 - 1277, gegründet hat.
Bauhistorische Entwicklung:
Das Hauptgebäude und gleichzeitig das einzige Gebäude des Kerns der
Burg ist ein großer prismatischer Wohnturm, zu dem auf der
östlichen Seite ein niedrigerer Polygonumbau mit dreieckigen
Kammern auf den Seiten anliegt, von denen die linke Kammer den
Eintritt von außen hatte. Der große Turm, ergebaut auf dem höchsten
Platz der Anhöhe, hatte die viereckige Gestalt (13,7 m x 17,5m),
aufgebaut aus dem geschichteten Bruchstein. Auf der westlichen
Seite befand sich ein Erker, aus dem nur zwei Kragsteine erhalten
wurden. Die Tür in den mittleren Teil des Turms wurde ursprünglich
über die Fallbrücke des gegenüberliegenden Gebäudes zugänglich,
eingegliedert in der Mitte des 16. Jahrhunderts als ein Eingangstor
in die neue Befestigung. Der Turm hatte über dem flachgedeckten
Erdgeschoß, beleuchtet aus den Seiten mit fünf engen Öffnungen,
zwei Wohnstockwerke mit Priveten (Abtritterkern) auf der westlichen
Seite. Bis zum 16. Jahrhundert datiert sich die Entstehung einer
neuen fünfseitigen Befestigung mit Mauern, Bollwerken und einem Tor
auf der östlichen Seite. In den Mauern befinden sich
durchgebrochene Schießscharten mit dem nach
innen geöffneten Gewände. Die Mauern hatten wahrscheinlich für den Fall der Verteidigung hölzerne Wehrgänge, die jedoch bis zur heutigen Zeit nicht erhalten wurden. Beim Bau einer Station des Funktelefonnetzes in der Nähe von der Ruine von Vítkův hrádek wurden im Jahre 1996 die Gründe einer Mauer aus den Bruchsteinen mit Mörtel entdeckt. Es kann sich um die Überreste der heute schon untergegangenen Vorburg gehandelt haben.
Geschichte der Bewohner der Burg:
Die kleine Burg hat seit ihrer Gründung durch Witigo von Krumau
(1220 - 1272) im 13. Jahrhundert die Funktion der Festung und des
Verwaltungszentrums der Herrschaft erfüllt, die ein Bestandteil des
entstehenden Dominions von Angehörigen des Herrscherhauses der
Witigonen war, das sich auf den beiden Seiten der gegenwärtigen
Grenze von Böhmen und von Österreich ausdehnte. Der Hauptteil der
kleinen Burg bildete der Wohnturm, aufgebaut in der Seehöhe von 1
032 m über dem Meer auf einer ausgedehnten Anhöhe, besät mit
Granitblöcken, in der Nähe des Wegs von Österreich nach Böhmen.
Durch den Bau der Burg wollten sich die Witigonen eine sichere
Verbindung mit ihren Lehensgütern in Oberösterreich sichern. Nach
dem Aussterben der Krumauer Linie der Witigonen im Jahre 1302 erbte
die Burg Heinrich von Rosenberg. Am Ende des 14. Jahrhunderts
gehörten zu der Burg 15 Dörfer und eine Glashütte. In dieser Zeit,
als es zu den Streitigkeiten zwischen dem böhmischen Adel und König
Václav (Wenzel) IV. kam, wurde die kleine Burg Vítkův hrádek einer
der Orte, wo der König während seiner unfreiwilligen Reise nach
Österreich im Jahre 1394 gefangengehalten wurde. Während der
Hussitenkriege gehörte die Burg den Herren von Walsee, aber schon
im Jahre 1464 schenkte Reinprecht von Walsee die Burg seinem Onkel
Johann von Rosenberg und dadurch kam die Burg Vítkův hrádek zurück
in den Besitz des Herrscherhauses von Rosenberg.
Während des böhmischen Ständeaufstands beherrschte die Burg Vítkův hrádek für eine kurze Zeit der erhobene böhmische Adel, aber schon im Jahre 1621 hatte die Burg das kaiserliche Heer eingenommen. Im Jahre 1622 bekamen Vítkův hrádek die Eggenberger. Im Jahre 1719 erbten die Burg gemeinsam mit dem ganzen Eggenberger Besitz die Schwarzenberger. Vítkův hrádek hat langsam ihre ursprüngliche Funktion der Grenzfestung verloren und begann stufenweise zu verkommen. Für kurze Zeit wurde sie der Sitz des fürstlichen Forstmeisters, in der Mitte des 18. Jahrhunderts war sie schon ganz verlassen. Im Jahre 1815 wurden in den südöstlichen Teil der Burg die Treppen mit dem Aussichtsturm auf dem Gipfel gebaut. Bei diesen Reparaturen wurde zuletzt die Krone des Turms gesichert. Die notwendigsten Reparaturen des Objektes verliefen noch im Jahre 1869.
Nach dem II. Weltkrieg geriet das ganze Gebiet des Dorfes Svatý Tomáš samt der Burg in die militärische Grenzzone, wohin der Zugang streng verboten wurde. In den fünfziger Jahren haben hier die Soldaten auf dem Gipfel des Turms ihren Beobachtungsturm errichtet. Neben der Burg, die in der Verwaltung und der Benutzung der Tschechoslowakischen Volksarmee war, wurde die Stahlkonstruktion eines Turms aufgebaut - der Wachtturm und das Häuschen für dessen Bedienung. Die Vertreter der Armee haben im Jahre 1990 die Burg Vítkův hrádek in den Besitz der Gemeinde Přední Výtoň übergeben. Bis zu diesem Jahr wurde die Ruine der kleinen Burg für die Öffentlichkeit praktisch unzugänglich. Die Burg Vítkův Hrádek wurde zur Inspiration der historischen Novelle von Adalbert Stifter "Vítek" (Witiko - 1865).
Legenden und Erzählen:
Über die Familienneigungen zum Selbstmord und über die menschliche
Bosheit erzählt die Geschichte aus dem Einzelhof, genannt Růžový
vrch (Rosenberg), wo ein armer Waldarbeiter mit vielen Kindern
lebte. Als seine Frau starb, wurde er im Wald erhängt gefunden.
Sein Bruder, dem in der Leichenkammer bewußt wurde, was für eine
Schande es für die ganze Familie ist, konnte sich nicht
zurückhalten und versetzte dem Gestorbenen eine Ohrfeige. Seit
dieser Zeit mußte er auf seinen toten Bruder ununterbrochen denken;
er bedauerte seine Tat und auch das, daß er die Kinder seines
Bruders nicht versorgt hat, bis er sich nach einiger Zeit in seinem
Häuschen erhängt hat. Der jüngste Bruder, wahrscheinlich geführt
durch die Familientradition, wollte den Neugierigen zeigen, daß er
besser als seine gestorbenen Geschwister ist, und gab dem
Gestorbenen zwei Ohrfeigen. Die böswilligen Leute haben ihn
beleidigt, beschimpft und sein Leiden insoweit ausgelacht, daß er
sich auf der Linde hinter dem Dorf erhängt hat. Keinem von den
Gestorbenen wurde ein Graben im eingeweihten Boden gegönnt, alle
wurden ohne Priester auf einer leeren Stelle begraben.
Im Wald, der die Ruine von der Burg Vítkův hrádek umgab, und auch von der Kirche des hl. Thomas, haben die Leute nachts Rufen und Jammer gehört. Ein Heger, der der Sache auf den Grund kommen wollte, hat sich in der Nähe der Kirche versteckt und um Mitternacht har er einen Spuk ohne den Kopf erblickt, wie er im Priestergewand auf einem Felsblock sitzt und die Worte der heiligen Messe vorsagt. Als der Priester das Gebet beendet hat, hatte er schon einen Kopf auf den Schultern, mit einem betrübten und beklommenen Gesicht. Er hat den Heger gesehen und hat ihm traurig vorgeworfen, daß er ihm hundert Jahre seiner Buße verdorben hat. Er büßt dafür, daß er als ein Priester wegen einer Frau seine Priestermission entheiligt hat und danach hat er sich das Leben genommen. Zur Strafe muß er im Wald tausend Nächte lang die Messe dienen. Auf den Rat des Pfarrers begannen die Bewohner der umliegenden Dörfer für den verirrten Priester zu beten und seit dieser Zeit hörte niemand mehr den Jammer aus den Wäldern.
Gegenwärtige Nutzung:
Der Besitzer des Objektes, die Gemeinde Přední
Výtoň bot eine langfristige Vermietung dem Bürgerverband
Vítkův Hrádek, der die Sicherung und Erhaltung des bestehenden
Zustands der Burgruine Vítkův Hrádek bei Svatý Tomáš und die
Ermöglichung ihrer ehrenvollen Zugänglichmachung der breiten
Öffentlichkeit als bedeutendes Kulturdenkmal zum Ziel hat.
(zp)
Weitere Informationen:
Vyšší
Brod und der Dreißigjährige Krieg
Untergegangene
Pfarrei Kapličky
Untergegangene
Pfarrei Rychnůvek