Chorsänger in der Stadt Český Krumlov
Die Chorsänger bei der Kirche St. Veit wurden von einem Kantor oder Schulmeister geführt. Täglich sangen sie bei der Morgenmesse und nachmittags bei der Vesper, weiter dann bei Begräbnissen und Seelenmessen. Der vorwiegende Teil ihres Repertoires wurde vom lateinischen Choral gebildet, sie sangen jedoch auch die damalige Polyphonie, am Ende des 16. Jahrhunderts sogar jeden Tag.
Zu ihrem Repertoire
gehörte anscheinend ein Teil der mehrstimmigen Musik aus der
zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie auch ganz sicher eine
mehrstimmige Musik zur Vesper beinhaltende Handschrift aus der
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es geht um eine unikate Quelle
des mitteleuropäischen und einheimischen Schaffens der
Rudolfinischen Zeit. Sie beinhaltet eine polyphonische Verarbeitung
von Hymnen, Psalmen und ein Magnificat. Von den Künstlern erwähnen
wir Thomas Stoltzer, Ludwig Senfl, Christobal Morales, Orlando di
Lasso, Jacob Vaet, Komponisten aus der Prager Kapelle des Kaisers
Rudolf II. Franz Sale und Jacob de Kerle sowie Jan Simonides
Montanus aus Kutná Hora.
Das Liederbuch gehörte der Literatenbruderschaft. Die Chorsänger gingen wahrscheinlich mit den wertvollen Handschriften nicht besonders gut um, und so beschwerten sich die Literaten bei der Obrigkeit, daß "es zu befürchten ist, daß durch Unachtsamkeit einiger Kantoren manche Offizien aus den Kantionalen verloren gehen oder zerrissen werden". Im 16. Jahrhundert hatte der Chor in der Regel 12 bis 14 Mitglieder und wurde zu einem unentbehrlichen Bestandteil des Lebens in der Stadt. Ohne die Chorsänger fand kein städtisches Fest statt, sie sangen regelmäßig dem Bürgermeister und den Ratsherren auf dem Rathaus, es war möglich, sie zu bestellen, daß sie vor einem Haus eine Motette sangen. Es kostete 30 Meißner Groschen.
(mho)
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Geschichte
der Musik in der Stadt Český Krumlov
